Europäischer Braunbär (Ursus arctos arctos)




Merkmale

Kopf-Rumpf-Länge: 120 bis 250 cm,
Schulterhöhe: 70 bis 120 cm,
Gewicht: 80 bis über 300 kg;

Männchen deutlich größer als Weibchen.

Färbung variabel von dunkelbraun bis semmelblond, zuweilen
grau oder fuchsrot, Jungtiere oft mit weißer Kragenzeichnung

Sohlengänger, fünf Zehen mit kräftigen Krallen an Vorder- und Hinterfüßen

 

Foto: WWF Österreich/H.Heimpel, 4nature
Allesfresser Bär

Bären sind Allesfresser und in ihrer Nahrungswahl sehr flexibel. Der Verdauungstrakt ist noch weitgehend der eines Fleischfressers, das Gebiss weist jedoch mit seinen rückgebildeten Reißzähnen und mahlenden Backenzähnen bereits deutliche Anpassungen an die Bearbeitung pflanzlicher Nahrung auf.

Grüne Pflanzenteile (Gräser, Kräuter und Laub) werden vorwiegend im jungen Zustand gefressen, wenn der Rohfaseranteil noch gering ist. Sobald die ersten Früchte reif sind, machen diese den Hauptanteil der Nahrung aus: Beeren (Heidelbeeren, Himbeeren), Obst (Äpfel, Birnen, Zwetschken, Vogelbeeren) und Samen (Bucheckern, Haselnüsse, Eicheln und Kastanien).

Bären sind keine großartigen Jäger. Tierische Nahrung ist trotzdem eine wichtige Protein- und Energiequelle. Sie besteht vor allem aus Kadavern (z.B. systematische Suche nach umgekommenen Schalenwild im Frühjahr) und Insekten (Ameisen, Wespen, Bienen). Wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, erbeutet der Bär auch Nutztiere wie Schafe und Ziegen.

 

Bären halten Winterruhe

Den Winter verbringen Bären in einem mehrmonatigen Ruhezustand. Dabei wird die Körpertemperatur wenig, Puls und Atemfrequenz stark abgesenkt. In diesem Zustand nehmen die Bären weder Wasser noch Nahrung auf. Als Winterlager dienen Felshöhlen, selbst gegrabene Höhlen unter Wurzelstöcken oder Windwürfe. In warmen Wintern können (vor allem erwachsene männliche) Bären auch ganzjährig aktiv bleiben.

Seltener Nachwuchs

Bären werden mit drei bis fünf Jahren geschlechtsreif und erreichen ein Höchstalter von 25 bis 30 Jahren. Weibchen haben alle zwei (bis drei) Jahre Junge. Paarungszeit ist im Frühjahr, die Keimlingsentwicklung wird allerdings in einem frühen Stadium unterbrochen, so dass die eigentliche Tragzeit erst im November beginnt. Geburtstermin ist Ende Jänner bis Anfang Februar zur Zeit der Winterruhe, die Wurfgröße erreicht ein bis vier Junge. Die Jungen werden in der Regel ein Jahr von der Mutter geführt. Sie gehen mit der Mutter ins Winterlager und verlassen sie im darauf folgenden Frühjahr vor Beginn der Paarungszeit.


Einzelgänger

Bären leben als Einzelgänger, in der Regel kommen Männchen und Weibchen nur in der Paarungszeit zusammen. Die einzig längere Beziehung besteht zwischen der Mutter und ihren Jungtieren. Bären sind nicht sehr territorial und verteidigen daher ihre Reviere nicht gegenüber Artgenossen. Bären haben große, überlappende Streifgebiete. Die Größe der Streifgebiete liegt in Regionen mit günstigem Nahrungsangebot im Bereich von 100 km², in kargen Regionen kann sie 1.000 km² und mehr erreichen. Männchen haben deutlich größere Streifgebiete als Weibchen. Die Dichte kann zwischen 0,05 und 20 Bären/100km² liegen, im slowenischen Kerngebiet leben z.B. sechs bis acht Bären auf 100km². Junge Weibchen siedeln sich meist in der Nähe des mütterlichen Streifgebiets an, junge Männchen wandern eher weiter ab. Bären sind dämmerungs- und nachtaktiv, in von Menschen unbeeinflussten Gebieten auch tagaktiv.

In Europa hat der Bär nur einen natürlichen Feind, den Wolf. Der dominierende Feind und Konkurrent ist der Mensch: Jagd, Wilderei und Verkehrsunfälle sind in vielen Populationen die wichtigsten Todesursachen.


Verbreitung

In Europa gibt es inzwischen wieder rund 17.000 Bären, die auf 10 Populationen aufgeteilt sind. Die größte Population ist in den Karpaten mit über 7.000 Tieren. Im Vergleich dazu umfasst die Alpenpopulation nur 45-50 Bären. Insgesamt ist der Bärenbestand in Europa stabil beziehungsweise im Wachsen begriffen, doch gerade kleine Populationen wie in den Alpen oder Pyrenäen sind besonders gefährdet und stagnieren.


Abbildung: Europäische Union



In Österreich gibt es ca. 5 Bären, die im südlichen Grenzgebiet in Kärnten und Osttirol leben. Diese Bären sind Zuwanderer aus der Alpenpopulation im italienischen Trentino und Slowenien bzw. der dinarischen Population. Allein in Slowenien gibt es rund 450 Bären. Vereinzelt können Bären bei ihren Wanderungen auch in anderen Teilen Österreichs auftreten, wie zum Beispiel 2012 in der Steiermark.


   

 Abbildung: WWF