Herdenschutz durch Zäune

Vorteile und Grenzen des Zaunschutzes
Kriterien für effektiven Zaunschutz

Allgemeines

Eine Herde von Nutztieren einzuzäunen kann aus verschiedenen Gründen notwendig und auch praktisch sein, der Schutz vor Raubtierangriffen ist einer von vielen möglichen Gründen dafür. Je nach den lokalen Gegebenheiten sind verschiedene Zaunarten für den Schutz der Herde denkbar, mit denen der Tierhalter in den meisten Fällen bereits vertraut ist. Diese Tatsache macht Einzäunung zu einer praktikablen und vor allem eher kurzfristig umsetzbaren Herdenschutzmaßnahme.


Ein Zaun, der etwa einen Wolf am Eindringen in die Herde hindern soll, muss deutlich mehr Anforderungen erfüllen als ein "normaler" Weidezaun (siehe Kriterien für effektiven Zaunschutz). 

Diese Anforderungen stellen eine besondere Herausforderung in der praktischen Umsetzung dar, vor allem in schwierigem Gelände wie etwa im Berggebiet. Hier verursacht die korrekte Installation einer funktionierenden Einzäunung besonders hohen Zeit- und damit gleichzeitig Kostenaufwand.        


                                                                                                                                                                                                          

 

                                                                                                                                                                                                                 Foto: ÖBSZ


Zaunarten

Grundsätzlich kann man Zäune in elektrische und stromlose Bauweisen unterteilen. Zu den nicht elektrischen Zaunarten zählen etwa der Maschendrahtzaun sowie verschiedene Lattenzäune und Drahtgeflechte, wie man sie oft bei Wildgehegen vorfindet. Bei elektrischen Zaunarten unterscheidet man feste und mobile Zäune. Sie können aus mehreren horizontalen, stromführenden Litzen bestehen oder als Netzzaun ausgeführt sein. Die verschiedenen Bauweisen haben ihre individuellen Vor- und Nachteile und sind daher je nach Einsatzgebiet und lokalen Anforderungen auszuwählen.


Elektrozaun



Foto: ÖBSZ

  • effektive Abwehr durch stromführende Litzen (kein Überklettern etc.)
  • rascher Auf- und Abbau möglich (besonders Netzzaun)
  • hohe Flexibilität beim Aufbau (Lage, Größe, Tore...)
  • stromführende Litzen als Ergänzung eines bestehenden stromlosen Zaunes
  • Ausgangsmaterial für Herdenschutzzaun oftmals am Betrieb vorhanden
 



Stromloser Zaun

 

Foto: LUPUS
 
  • für dauerhafte Weiden und Wildgatter geeignet
  • hohe Stabilität
  • geringerer Kontroll- und Wartungsaufwand
  • einmalige Errichtung
  • Untergrabungsschutz zusätzlich notwendig



Vorteile und Grenzen des Zaunschutzes

 Vorteile Grenzen
 sicherer Schutz bei sorgfältiger Installation
 erhöhter Aufwand durch regelmäßige Kontrollen (bes. Elektrozaun!)
 Grundausstattung und Know-how meist schon am Betrieb vorhanden
 zusätzliche Investitionen häufig notwendig (stärkeres Zaungerät, zusätzliche Litzen u.ä.)
 kurzfristige Umsetzung in aktten Fällen möglich
 richtige Installation ist zeit- und arbeitsaufwendig
 vielerorts einsetzbar
 steiles, schwieriges Terrain machen guten Zaunschutz nur schwer umsetzbar
 
 nur für kleine bis mittlere Herdengrößen geeignet; weitläufige Almgebiete und mehrere hundert Tiere können kaum dauerhaft gezäunt werden
 flexibler Einsatz möglich (für Nachtpferche, Portionsweiden, Lappenzaun, elektrische Aufrüstung bestehender fester Zäune usw.)
 


Kriterien für effektiven Zaunschutz


Folgende Kriterien machen einen effektiven Schutzzaun im Allgemeinen aus. Die Sicherheit der Zäunung ist dabei stark abhängig von der Schwierigkeit des Geländes, der Möglichkeit zur regelmäßigen Kontrolle und den anwesenden Raubtieren.
 Kriterium
 Anmerkung
 Mindesthöhe von 1,20 Meter über die gesamte Zaunlänge einhalten


Foto: Agridea
 Max. 10 Meter Abstand zwischen zwei Pfosten um ein Durchhängen der Leiter zu verhindern. Zur Spannung von Elektrodrähten sollten zwischendurch feste Pfosten mit Isolatoren eingebaut werden. Der Abstand zwischen den unteren Drähten sollte etwas enger sein.


Bild: Wolfssichere Zäune sollten mindesten 120 cm hoch, durchgehend sorgfältig gespannt und nicht zu überspringen oder untergraben sein.
 ausreichende Spannung von 4000-5000 Volt
 Bei ausreichend hoher Spannung wirkt die Abschreckung des Wildtieres nach dem ersten Kontakt langanhaltend
durchgehend gleich hohe Spannung


Foto: ÖBSZ
 Ein leistungsfähiges Weidezaungerät ist eine wichtige Investition - gleichzeitig muss stets für eine gute Erdung des Zaunes gesorgt werden. Die Vegetation unter dem Zaun sollte kurz gehalten werden um Spannungsverluste zu vermeiden.


Bild: Pflanzen die in den Zaun einwachsen leiten den Strom ab und vermindern somit die Schutzfunktion des Zaunes.
Anpassung der Zaunhöhe an das Gelände


Foto: Agridea
 Steile Hänge können das Überspringen erleichtern, deshalb sollte die oberste Zaunkante gegebenenfalls um bis zu 50 cm zusätzlich erhöht werden.


Bild: Ist das Terrain unwegsam, sollte der Zaun gegebenenfalls mit einem zusätzlichen Draht überspannt werden, um kein Einspringen zu ermöglichen.
 Maximalabstand zwischen den Leitern/Zaunreihen von 25 cm


Foto: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
 Ist der Abstand im Zaun zu groß, können Tiere durch den Zaun hindurch springen.


Bild: Die Drähte weisen einen optimalen Abstand auf und sind durch den festen Pfosten korrekt gespannt.
 Maximalabstand zwischen unterster Zaunreihe und Boden von      20 cm


Foto: ÖBSZ

 Der unterste Draht ist mitunter der Wichtigste, da beispielsweise Wölfe eher dazu neigen, unter einem Hindernis durchzukriechen.



 Abstand zu Böschungen, Hängen und Felsen einhalten
 Böschungen und dergleichen können leicht als Übersprunghilfe genutzt werden
 Gewässer auskoppeln
 Ein Gewässer ist keine Barriere für Raubtiere, daher müssen auch diese aus- bzw. vollständig eingekoppelt werden.
 Kombination von breiten Bändern und Drähten
 Der optische Barriereeffekt eines breiten Bandes (Breitbandlitze) wirkt als zusätzliche Abschreckung. Sie können auch zur Verstärkung über einen festen, nicht-elektrischen Zaun bzw. zur optischen Erhöhung bestehender Elektrozäune eingesetzt werden.
 Sicherung permanenter Zäune durch stromführende Litzen


Foto: Agridea
Dauerhafte feste Zäune können durch einen stromführenden Draht nahe dem Boden und 1-2 zusätzliche Drähte am oberen Ende raubtiersicher verstärkt werden. Die Isolatoren werden dabei an der Außenseite des Zaunes befestigt.


Bild: Ein fester Zaun kann durch eine stromführende Litze verstärkt werden. Dies hilft besonders gegen das Überklettern von Luchsen.
 regelmäßige Kontrolle des Zaunes


Foto: M. Wagenpfeil, BLfL
 Die regelmäßige Überprüfung von Stromspannung und Zustand des Zaunes ist unerlässlich.


Bild: Ist die Spannung nicht ausreichend kann das an einem fehlerhaften oder leistungsschwachen Zaungerät, zu viel störender Vegetation im Zaun oder einer unzureichenden Erdung (z.B. zu trockener Boden) liegen.

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